Balsa Manteña

Das „Festival de las Balsa Manteña“ findet alljährlich am 12. Oktober am Strand von Salango im Nationalpark Machalilla in Ecuador statt. Ayampe unterstützt dieses lokale Projekt seit 2008. Wir möchten so unseren Beitrag dazu leisten, dass dieses bedeutende Ereignis in unserer Partnergemeinde nicht aufgrund ökonomischer Nöte und „moderner“ Zerrissenheit in Vergessenheit gerät. In den letzten Jahren haben sich glücklicherweise viele Partner und Förderer – zumeist aus Ecuador selbst – zusammengefunden, um das Festival Jahr für Jahr zu unterstützen. Im Folgenden finden Sie Informationen zu den Hintergründen der Balsa Manteña, die der Festival-Beschreibung unserer Partnerorganisation entstammen:

„Die Kultur ist eine der ersten Fußspuren, die ein Ort und eine Gemeinde niemals vergessen darf.“

Dies ist auch der Fall für die Gemeinde Salango; eine Gemeinschaft, die vor der Eroberung durch die spanischen Conquistadores eine Kultur der Manteñas gewesen ist und später weiter durch den Einfluss anderer Leute, neuer Bräuche und Gewohnheiten verändert worden ist. Mit der Realisierung des alljährlichen Festival de la Balsa Manteña in Salango beabsichtigt die Gemeinde zu zeigen, wie vor der Kolonialisierung die traditionelle Seefahrt ‚en Balsa’ (auf Flössen) von den Bewohnern dieses Küstengebietes betrieben wurde, welche heute als Salango im Nationalpark Machalilla bekannt ist. Dieses erste und einzige kulturelle Festival, das sich im Kanton Puerto López und besonders in der Gemeinde Salango etabliert hat, ist ein wesentlicher Baustein des regionalen und sich noch in Kinderschuhen befindlichen Tourismus. Mit diesem Festival unternehmen wir auch den Versuch die schwierige Begegnung zwischen touristischer Motivation, welcher in unseren comunidades als Gemeinschaftstourismus betrieben wird, und dem tatsächlichen Interesse an der eigenen kulturellen Geschichte zu verbinden.

Der zentrale Akt dieses Festes ist die Darstellung einer Begegnung zwischen dem „principal jerarca del Señorio de Calangome“ (Patron) und seinem „lacayo de Calango“ (Lakai), die das Verschwinden einer Handel treibenden Balsa diskutieren. Der Dialog zwischen diesen „señores etnicos“, Herrscher über Meer und Erde, wird in seinem Höhepunkt durch den Austausch von Schenkungen und Weihgaben für das Orakel der Insel von Salango dargestellt. Die verschwundene Balsa Manteña, um die es in diesem Dialog geht, wurde 1526 von dem ersten Schiff, welches die Conquistadores Richtung Südsee schickten, an der Punta Galera in der Nähe des heutigen Esmeraldas im Norden Ecuadors gefangen genommen.  Kapitän dieses Schiff war Bartolomé Ruiz, welcher wiederum der Expedition Francisco Pizarros unterstand. Die eroberte Balsa hatte damals Handelswaren von annähernd 30 Tonnen Gewicht geladen.

Die Balsa, gebaut mit Stämmen des Balsaholzes, Schilfrohr, Rohbaumwolle und anderen Materialien dieser Region war das wichtigste Transportmittel, welches die Bewohner der Manteña-Gemeinden benutzten, mit dem Ziel Handel mit anderen Kulturen zu treiben. Dies über weite Distanzen bis nach Chile und Mexiko. Seit dem fernen Altertum haben Taucher den Gründen des Pazifiks wertvolle Schätze entrissen, wie etwa die schartige Auster „Spondylus Princeps“ oder die Perlenmuschel. Beide entwickelten sich als zentrales Zahlungsmittel zur Grundlage des kommerziellen (See-) Handels, der in dieser Zeit beherrscht wurde von den berühmten Händlern der Señorios Manteños. Für die historischen Gemeinden war „el mullo“ (Spondylus) sehnlichst begehrt und oft wertvoller als Gold. Der Handel zu jener Zeit entwickelte sich prächtig und die Balseros vermochten es ihren Einfluss mit der weitläufigen Verbreitung der „heiligen“ Austern gewichtig auszubauen. Mit der Hortung von Spondylus und Perlmuscheln bzw. vielmehr mit der Monopolisierung des Seehandels wurden die frühen Seeleute Manabis zu ersten überregionalen Übersetzern und Übermittlern neuer Ideen und Technologien zwischen den verschiedenen Küstenvölkern auf dem gesamten lateinamerikanischen Kontinent.“

Vor diesem historischen Hintergrund soll mit dem Festival de la Balsa Manteña die Erinnerung an die Bräuche, Eigenheiten und Fertigkeiten dieser besonderen Seefahrt ‚en balsa’ lebendig gehalten werden. Die Cultura Manteña ist ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität der heutigen Küstenbewohner in den ecuadorianischen Provinzen Manabí und Guayas. Das Festival möchte diesen Wurzelzweig der Identität ins Bewusstsein rufen und zelebrieren. Neben dem Nachbau der traditionellen Balsa Manteña und ihrer rituellen Verabschiedung ins offene Meer, begleiten das Festival daher eine Reihe anderer Aktivitäten, Schauspiele und Festivitäten. Es gibt traditionelle Kochwettbewerbe, Performances von Musik- und Tanzgruppen aus den unterschiedlichen Teilen Ecuadors, Kostümwettbewerbe, Darbietungen der lokalen SchülerInnen und  Präsentationen der einzelnen Initiativen Vorort.